American Football - Der Beginn einer Leidenschaft

Wir schreiben das Jahr 2007. Benjamin sitzt mal wieder spät abends vor dem Fernseher und zappt durch die Kanäle. Um 1 Uhr lande ich bei ARD (ja, es gab mal ein gutes Programm bei den öffentlich-rechtlichen).

Ich lande direkt beim Kickoff des Super Bowls, dem Endspiel der NFL, der größten Profiliga für American Football in der USA und nebenbei dem meist übertragenen Einzel-Sportereignis der Welt. Es spielen die Chicago Bears gegen die Indianapolis Colts.

Ich schaue zu, wie jemand einen Ball über das Spielfeld tritt, ein recht klein geratener Mann fängt ihn und rennt im Zick Zack durch eine Reihe von beweglichen Kleiderschränken, nur um dann mit dem Ball beim anderen Spielfeldrand zu landen. Touchdown!!! (Den Ausruf kennen doch noch die meisten)

Ich dachte mir: „Benjamin, das ist irgendwie spannend!“ Also habe ich weiter geschaut und erstmal gar nichts verstanden. Mal ehrlich, würde euch die Ansage 2nd and 6 was sagen? Also Wikipedia gestartet und zwischendurch nachgelesen, was ich da eigentlich schaue. In der zweiten Halbzeit wurde es langsam besser. Trotzdem war ich dankbar für jeden Kommentar und jede Zeitlupe, aber mich hatte es gepackt.

Seitdem habe ich mir jeden Super Bowl angeschaut. 2010 habe ich mir dann zum ersten Mal zusätzlich Playoff Spiele angesehen, die Endrunden. Mitte 2010 bin ich zu dem Schluss gekommen, ich will mich damit mehr auseinandersetzen und habe wirklich mal eine ganze Saison durchgeschaut. Ziemlich schnell fand ich dann auch eine Mannschaft, die mir gut gefallen hat. Go Pats!

Für mich ist das eher ungewöhnlich. Ich begeistere mich eigentlich gar nicht für Sport. Fußball (Soccer) fand ich schon in der Schule immer ziemlich langweilig. Ich gucke mir mal die EM oder die WM an, aber eigentlich mehr wegen des Events, mit anderen Leuten zu schauen. Auch andere Sportarten (Olympia, etc) haben mich nie groß gereizt.

Aber American Football, das hat mich irgendwie von Anfang an gekickt.

Und zwar jeder Bereich davon. Ich schaue mir gerne Spiele an, ich beschäftige mich mit dem drum rum in der Liga. (Falls das wen interessiert - hier eine gute Seite dafür), und ich kann mittlerweile einen Football ziemlich geradeaus werfen und hab mich auch schon an Flag Football versucht.

Was begeistert mich so an der Sache? Mal losgelöst von der Spannung, der Taktik und dem hohen athletischen Können der Spieler, finde ich eine Sache ganz herausragend bei diesem Sport: Egal, wie deine körperlichen Grundvoraussetzungen sind, es wird eine Position geben, auf der du theoretisch gut sein kannst. Man hat das klassische Bild von Football Spielern, die riesige Schränke sind. Die gibt es. Das sind die Linemen, deren Aufgabe es hauptsächlich ist, dafür zu sorgen, dass keiner durchkommt, und zwar im Angriff, wie in der Verteidigung.

Es gibt aber auch genau das Gegenteil: kleine, stämmige Kerle, deren Aufgabe es ist, sich den Ball zu schnappen und durch eine sich bietende Lücke zu wuseln, die Running Backs. Es gibt lange, schnelle, die nach vorne rennen, um den Ball zu fangen, die Reciver, und dann gibt es natürlich noch den Quaterback, dessen Hauptaufgabe es ist, den taktischen Überblick zu behalten, die Spielzüge anzusagen und den Ball nach vorne zu werfen.

Du siehst also, es gibt eigentlich für jeden etwas.

Apropos Spielzüge: was mich extrem fasziniert ist die Taktik in diesem Spiel. Deswegen wird es von vielen auch mit Schach verglichen. Es gibt Leute, die nerven die ständigen Unterbrechungen im Spiel. Für mich hingegen ist es spannend zu sehen, wie sich in jedem Spielzug neue Dinge ergeben, wie Spieler eingewechselt werden, weil gerade für dieses Mal eine besondere Fähigkeit gebraucht wird, die dieser Spieler mitbringt. Und jedes Mal ist es die Aufgabe des Coaches, das Beste aus seinem Team heraus zu holen, die Spieler als Einheit agieren zu lassen und abzuschätzen, wie die Gegner wohl reagieren werden.

Mich erinnert das ein wenig an meine Kirche, Wort und Geist. Wir sind alle extrem unterschiedlich vom Background, von der Prägung, und vom Alter her. Viele Leute hätte ich wohl, losgelöst aus diesem Rahmen, niemals kennengelernt. Und trotzdem sind wir eine Einheit, jeder ist Teil von diesem Team. Nicht jeder ist in diesem Team immer voll aktiv, aber trotzdem ist jeder dabei und jeder ist von Gott dort hineingefügt. Unsere Leitung dort ist wie ein Trainerstab, der das Interesse hat, bei jedem von uns das Beste hervorzubringen und damit jedes Teammitglied, und das ganze Team zu stärken.

Vielleicht ist das einer der Gründe, warum mir American Football so gefällt.

Soviel erstmal als kleine Einführung in den Sport. Ich schreibe da sicher noch mehr drüber.