Freiheit bei Wort und Geist

Heute möchte ich ein wenig über Freiheit schreiben. Nicht über die große Freiheit, nicht gegen Unterdrückung wettern, sondern einfach die Freiheit in meinem eigenen Leben.

Eine Sache, die ich schon immer interessant fand war, dass Glaube bei den meisten Menschen darüber definiert wird, was jemand nicht darf oder was jemand tun muss.
„Ah, du bist Moslem. Dann darfst du keinen Schweinefleisch essen.“ „Du bist Christ? Dann musst du Sonntag immer in die Kirche!“ „Du bist Veganer. Dann darfst du ja nichts tierisches Essen.“

Irgendwie wird es sofort immer auf Ge- und Verbote reduziert und zwar nicht nur von Außenstehenden, sondern auch von den Gläubigen selber. Es variiert nur der Regelkatalog. Und Freiheit wird dann danach bemessen, dass man ja weniger oder andere Regeln hat, als andere Leute. Vor allem bei Christen habe ich das beobachtet. Ganze Gemeinden haben sich teilweise um ihren Regelkatalog gebildet. Dabei hat schon Luther „von der Freiheit eines Christenmenschen“ geschrieben.

Seit einigen Jahren erlebe ich nun was ganz Anderes und ich möchte es dem geneigten Leser gerne anhand eines Beispiels verdeutlichen, meinem Umgang mit Alkohol. Im christlichen Lager gibt es da verschiedene Auffassung. Ich will aber keine Bibelstunde veranstalten, sondern aus meinem Leben berichten.

Zeit meines Lebens habe ich gerne gefeiert und ab einem gewissen Alter war Alkohol oft ein wesentlicher Bestandteil beim Feiern. Ich habe nicht ständig getrunken. Öfter mal war ich auch der Fahrer oder so, aber grundsätzlich habe ich in dem Bereich schon einiges geleistet. Ich habe das nie als was Verwerfliches oder als Problem wahrgenommen, wobei ich nach der einen oder anderen Party schon mal überlegt hatte, dass das doch ein wenig viel gewesen war.

Irgendwann kam dann der Punkt, wo ich mir selber Regeln gegeben habe: Ich trinke nur noch am Wochenenden. Ich trinke nicht mehr als X cl, usw, usw.

Im Sommer 2013 hat mich mal einer meiner Leiter auf Alkohol angesprochen. Stolz erzählte ich meine Regeln, und dass ich dadurch viel weniger trinke, als früher noch. Naja…

Keine Regeln mehr

Er sagte mir, ich soll mir einfach mal vom Heiligen Geist was dazu zeigen lassen, aber ich hätte kein Gesetz. Das habe ich dann ernst genommen:

  • A: Ich habe den Heiligen Geist gebeten, mich in dem Bereich zu lehren.
  • B: Ich habe alle meine selbstgemachten Regeln gestrichen.

Das Ergebnis war erstmal lustig. Jeden Abend saß ich auf meinem Sofa, trank zwei, drei Bier und hab mich vom Heiligen Geist lehren lassen. Er hat mir dann gezeigt in welchen Situationen ich normalerweise trinke, in welchen nicht und was das alles so mit meiner Seele macht. Nach gut einer Woche war ich an dem Punkt, dass ich das alles nicht mehr wollte und von einem Tag auf den anderen habe ich komplett aufgehört zu trinken.

Es war ganz simpel. Ich hatte immer noch Unmenge an Schnaps in meiner Bar (seit ich 18 bin mixe ich Cocktails), hatte Bier und Wein im Kühlschrank, aber irgendwie hat es mich nicht mehr gereizt. Ich habe auch Gästen weiterhin Alkohol angeboten.

Nach 3 Monaten wollte ich es dann mal wissen: Wie ist es, wenn ich jetzt Alkohol trinke? Eines Abends dann zwei Bier getrunken. Von der Menge werde ich bei meiner Statur nicht betrunken, aber ich habe gemerkt: „Irgendwas ist seltsam. Es fühlt sich nicht passend an. Ich bin nicht mehr frei.“

Also trank ich weiterhin nichts.

Nach einem Jahr war ich bei einer Geburtstagsparty in einer Cocktailbar. Dort habe ich einen Gin Tonic getrunken einfach, weil ich Lust darauf hatte und irgendwie hat das nichts mehr mit mir gemacht. Es hat gepasst. Ich wusste, ich bin jetzt frei davon.

Seitdem trinke ich wieder Alkohol. Immer dann, wenn ich Lust darauf habe. Nur: ich habe sehr selten Lust darauf. Es können Wochen und Monate vergehen, ohne dass ich was trinke. Nicht, weil ich mir das vornehme oder Regeln befolge, sondern einfach, weil ich auf mein Inneres gehe. Es kommt sogar vor, dass ich mir sage: „Heute trinke ich Alkohol.“ und es schlicht und ergreifend wieder vergesse.

Paulus schrieb an die Korinther:

„Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich. Alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von nichts beherrschen lassen.“

Genauso erlebe ich es in vielen Bereichen in meinem Leben und genauso will ich es noch viel mehr erleben. Die Frage ist nie: „Ist es richtig, ist es falsch? Darf ich das?“ Ich darf alles! Die einzigen Fragen, die sich für mich stellen sind: „Passt es zu mir? Beherrscht es mich oder beherrsche ich es?“ Und die Antwort dazu finde ich immer in meinem Inneren.

Es ist ein wunderbares, freies Leben und es macht Spaß immer mehr Freiheit kennen zu lernen.

PS: Es gibt natürlich Einschränkungen, die einem durch staatliche Gesetze auferlegt werden, und die sollte man auch tunlichst befolgen!