Draft Day

Letztes Wochenende fand in Philadelphia der NFL Draft statt. Was ist das eigentlich?

Der Profisport in den USA ist ein wenig anders organisiert, als wir es in Deutschland kennen. Bei uns gibt es die unteren Ligen (Kreisliga, etc.), aus denen dann die Vereine in die höheren Ligen aufsteigen können. Je nach Sportart gibt es dann erst ab einer gewissen Stufe Aufwandsentschädigungen und später Gehälter für die Spieler, die somit dann im Profibereich angekommen sind. Genauso können die Vereine auch wieder absteigen, wenn die sportliche Leistung nicht mehr stimmt.

In der USA gibt es so ein System nicht. Es gibt vom Prinzip her nur Profiligen, die als Wirtschaftsunternehmen geführt werden. Diese Ligen geben dann Lizenzen aus für einzelne Mannschaften, die erworben werden können. Wer so eine Lizenz hat, darf ein Team aufbauen, hat Mitspracherecht und ist Teil des Spielbetriebs. In der NFL sind deswegen alle Mannschaften (außer den Greenbay Packers, die einer Genossenschaft gehören) im Privatbesitz.

Jetzt könnte das natürlich dazu führen, dass so eine Liga recht schnell langweilig wird. Es können im Normalfall keine Mannschaften nachrücken oder absteigen. Wie schafft man es also, eine gewisse Ausgewogenheit zu erreichen?

Es gibt zwei wichtige Mechanismen, die versuchen, das Ungleichgewicht in Grenzen zu halten.

Salary Cap

Das eine ist der sogenannte Salary Cap: Jede Mannschaft darf insgesamt nur eine gewisse Summe für alle ihre Spieler zusammen ausgeben. 2017 sind das 167 Mio. $. Klingt erstmal viel, nur hat so ein Football Team aber auch 53 Spieler. Wenn ich also schon 25 Mio. $ für einen Spieler ausgebe, bleibt nicht mehr so viel über, was ich dem Rest geben kann. Jede Mannschaft muss sich also genau überlegen, ob sie eher ein paar Stars das Geld in den Rachen wirft, in der Hoffnung, dass die es rausreißen oder das Team kann das Geld moderat verteilen und sich im Mittelfeld bedienen. Wichtig ist die Mischung.
Es kann aber nicht passieren, dass sich eine Mannschaft, die wirtschaftlich gut da steht, die ganzen Stars unter den Nagel reißt.

Draft

Die zweite wichtige Stellschraube ist der sogenannte Draft. In den USA rekrutieren die meisten Profiligen ihre Nachwuchsspieler aus dem College. College Sport ist nicht mit unserem Uni-Sport zu verwechseln. Die Spieler werden mit Stipendien an die Colleges gelockt, die Spiele werden auch im Fernsehen übertragen, es gibt Meisterschaften und die Einnahmen daraus sind für die Colleges ziemlich wichtig. Es ist also mehr wie die zweite Liga zu verstehen.
Nach 3 Jahren können diese Spieler in die NFL wechseln. Während ihrer Collegezeit stehen sie schon im Rampenlicht und werden ständig von Scouts der einzelnen Teams bewertet. Ferner gibt es dann im Frühjahr ein Probetraining, zu dem vielversprechende Spieler eingeladen werden.

Der Draft soll für eine gerechte Verteilung der Nachwuchsspieler sorgen. Deshalb darf sich die Mannschaft, die im Jahr zuvor am schlechtesten abgeschnitten hat (dieses Jahr die Cleveland Browns), als erstes einen neuen Spieler aussuchen. Das geht so weiter, bis sich dann als Letztes der Superbowl-Gewinner (dieses Jahr die New England Patriots) einen Spieler aussucht.
Das Ganze wiederholt sich dann noch sechsmal.

Diese Wahlmöglichkeiten (Draft Picks) sind aber nicht fix, sondern werden oft für Verhandlungen um Spieler genutzt. Man kauft zum Beispiel einer Mannschaft einen Spieler ab und gibt dafür nicht nur Geld, sondern eben eine oder mehrere Wahlmöglichkeiten in den kommenden Drafts. Das führt dazu, dass sich die Reihenfolge recht stark ändert.

Die Patriots haben dieses Jahr zum Beispiel keine Picks in den ersten beiden Runden gehabt, da sie die für Spieler an die Saints und die Panthers abgetreten haben. In der 3. Runde hatten sie 2 Picks an 19. und 21. Stelle von den Titans und den Lions bekommen und ihren Pick an Platz 32 haben die Lions genutzt. Ihr seht, es geht also ziemlich hin und her, aber es sorgt für eine gewisse Ausgewogenheit.

Wobei es nicht garantiert ist, dass sich ein Spieler, der in der ersten Runde von einem Team gewählt wurde, auch wirklich in der NFL behaupten kann. Es spiegelt nur die Erwartungen wieder, die in ihn aufgrund seiner Leistungen auf dem College gesetzt werden.

Genauso kann es sein, dass Spieler, die erst später ausgewählt werden, extreme Karrieren hinlegen. Mein Lieblings-Quarterback Tom Brady zum Beispiel wurde erst in der 6. Runde einberufen. Sechs Quarterbacks wurden vor ihm gewählt. Alle sechs zusammen haben in ihren Karrieren in der NFL nicht mal halb so viele Touchdowns geworfen wie Tom Brady und nicht einer von ihnen hat je in einem Super Bowl gespielt.

Vom Prinzip her ist die ganze Veranstaltung ein riesen Spektakel wie auch der Rest der NFL: Es geht um einzelne Stars, die im Mittelpunkt stehen, aber am Ende zählt doch nur die Teamleistung und der individuelle Beitrag, den der einzelne Spieler einbringen kann.

Ich denke, ich konnte euch das System ein wenig näherbringen.
Ich freue mich über Kommentare und vielleicht schaut ihr bald mal wieder rein.